Yolocaust: Warum lustige Selfies am Holocaust-Mahnmal daneben sind

Der israelische Satiriker Shahak Shapira hat das Internet nach lustigen Selfies am Berliner Holocaust-Mahnmal durchsucht und diese mit Bildern aus den Konzentrationslagern kombiniert. Und zeigt damit, wie peinlich und dumm manche Selbstdarstellungen sind.

Rund 10.000 Menschen aus aller Welt besuchen täglich das Holocaust-Mahnmal am Brandenburger Tor in Berlin. Viele machen vor Ort lustige Selfies und nutzen diese als Profilbilder auf Facebook oder Instagram.

Wie daneben und respektlos das ist, zeigt der israelische Autor Shahak Shapira, der seit vielen Jahren in Berlin lebt. Auf seiner Seite yolocaust.de kombiniert der Satiriker die Selfies mit den Schreckensbildern des Holocaust und erinnert daran, wofür das größte Mahnmal Deutschlands eigentlich stehen sollte.

Das Mahnmal wird inzwischen auch von AfD-Lautsprecher Bernd Höcke frontal angegriffen und öffentlich als „Schandfleck“ bezeichnet. Offenbar erinnern sich manche Menschen nur ungern an die schreckliche deutsche Geschichte und arbeiten darauf hin, dieselben Fehler einfach nochmal zu machen.

Hetze, rassistische Ausgrenzung und Nationalismus haben vor 80 Jahren das Land in die Katastrophe geführt… und den Untergang der ersten Demokratie in Deutschland eingeleitet. Die Folgen dieses über Jahre kultivierten Hasses auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe sind hinlänglich bekannt.

Sechs Millionen Juden sind im Nationalsozialismus getötet worden. Eine unvorstellbare Zahl, deren Dimension den Besuchern im Gedenkzentrum am Mahnmal mit Namen und Gesichtern und Einzelschicksalen konkret vor Augen geführt wird. Das ist der wahre Schandfleck Deutschlands und nicht das Mahnmal im Berliner Stadtzentrum.

Natürlich sind die meisten der unüberlegten Selfies überhaupt nicht politisch gemeint oder gar antisemitisch, aber ein Zeugnis politischen und historischen Desinteresses. Dagegen setzt Shapira nun ein starkes Zeichen.

Übrigens: Wer sich erkannt und ertappt fühlt, der kann um eine Löschung seines Bildes bitten.

www.yolocaust.de